Gewohnheiten ändern mit dem Habit Tracker

Der Habit Tracker DIY

Lesezeit 5 Minuten

Wusstet ihr, dass Piloten immer MIT ihrem Rettungsschirm (wie eine dicke Schildkröte) aus dem Flugzeug austeigen, statt ihn bequem im Flugzeug aus zu ziehen? Denn der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Er ist so sehr Gewohnheitstier, dass man festgestellt hat, dass Piloten auch in einer Notsituation ohne den Schirm aus dem Flugzeug springen, wenn man das vorher so gewöhnt war.

Unser Alltag und unser Verhalten sind sehr stark von Gewohnheiten geprägt. Das Interessante daran: Wir merken es nicht einmal! Und das meine ich positiv. Wenn plötzlich alle unsere Gewohnheiten wegfallen würden und wir alles so machen müssten, als wäre es neu und ungewohnt, dann würde uns der Alltag ein Vielfaches an Kraft kosten. Was wir gewohnt sind, bemerken wir kaum. Und genau da liegt auch das Positive: Gewohnheiten lassen sich steuern und ändern – und man kann sich vieles erleichtern, indem man es einfach zur Gewohnheit macht.

Unser Konsumverhalten (und somit auch Zero Waste) ist extrem von Gewohnheiten geprägt: Kaufe ich mir eine Flasche Wasser, weil ich meine eigene Flasche vergessen habe? Oder: Kaufe ich mir einfach irgendwas, schlicht weil ich gewohnt bin mir etwas zu kaufen?

 

An dieser Stelle ist es wichtig, zwischen Gewohnheiten und Ritualen zu unterscheiden. Gewohnheiten sind Abläufe, die durch Wiederholungen und Übung selbstverständlich und leicht werden, Rituale dagegen sind wiederkehrende Abläufe, die Anhaltspunkte im Leben liefern und eine Struktur geben. So kann der der Kauf von einer Wasserflasche durchaus Gewohnheit sein, weil man jeden Tag eine Flasche braucht und nicht weiter darüber nachdenkt, er kann aber auch ein Ritual sein, weil man sich zu einem bestimmten Zeitpunkt des Tages eine Flasche Wasser kauft und sich damit z.B. die Mittagspause signalisiert. Beide, Gewohnheiten und Rituale, sind sehr wichtig für unser Konsumverhalten. Beide lassen sich steuern und einstellen. Von den beiden sind Gewohnheiten aber etwas schwieriger zu steuern, denn meistens muss man dafür eine bereits erlernte Gewohnheit ändern – und das bedeutet Arbeit. Warum lohnt es sich, diese Arbeit auf sich zu nehmen?

Mir passiert durchaus, dass ich an mir selbst Gewohnheiten finde, die mir nicht gefallen. Als mein erstes Kind noch ganz klein war fing ich irgendwann an, abends auf das Abschminken zu verzichten, weil ich todmüde war. Nach einer Weile war es eine Gewohnheit geworden und wenn ich mich dann doch mal abgeschminkt habe, war es eine unglaubliche Mühe. Da ich aber nicht immer wie ein Waschbär am nächsten Morgen aussehen wollte und auch nicht Falten wie Yoda bekommen wollte, musste ich die Gewohnheit wieder ändern. Und heute? Zwei kleine Kinder, kein Schlaf seit fünf Jahren, aber Abschminken, Gesicht reinigen und Pflegen geht ohne Probleme. Nur weil ich es mir wieder zur Gewohnheit gemacht habe.

 

Ein Trick ist, eine lästige Gewohnheit auch in ein Ritual zu verwandeln, denn die sind meistens eher positiv besetzt. Dafür verwandelt man eine Gewohnheit in etwas, was Freude bereitet und verknüpft es mit einem bestimmten Zeitpunkt. Beim Abschminken zum Beispiel hat es mir geholfen, hochwertige Naturkosmetikprodukte zu benutzen, die mir jeden Tag ein Gefühl von Wellness geben und für mich das Ende eines Tages symbolisieren. Um das zu erreichen, muss ich erst meine Gewohnheit ändern, aber wie mache ich das? Dafür ist der Trick, sich eine Sache jeden Tag vor zu nehmen und auch zu machen. Nach einer Weile geht die Handlung dann in Fleisch und Blut über und wird zur Gewohnheit. Spätestens dann kostet sie keine Energie mehr, denn am aufwendigsten ist das Zur-Gewohnheit-machen. Ich bin kein sonderlich disziplinierter Mensch und noch dazu schusselig. Daher fällt es mir schwer mir jeden Tag etwas vor zu nehmen und es dann auch zu tun. So bin ich z.B. ständig auf der Suche nach meinem Schlüssel, weil ich ihn immer an eine andere Stelle lege. Doof, oder?

Und hier kommt der „Habit Tracker“ zum Einsatz! Man braucht ein Blatt Papier, einen Stift und eine (angestrebte) Gewohnheit. Dann zeichnet man sich für eine Zeitspanne von mindestens 30 Tagen die entsprechende Anzahl an Kästchen auf und streicht jeden Tag ab, an dem man erfolgreich sein Vorhaben umgesetzt hat. Am Ende der Zeitspanne sollte eine Belohnung stehen, etwas, über das ihr euch sehr freut und was ihr euch sonst vielleicht nicht gegönnt hättet.

Den Habit Tracker könnt ihr dann nutzen, um euch eine neue Gewohnheit anzueignen (z.B. jeden Tag eine Flasche Wasser MITzunehmen, statt eine Flasche Wasser zu kaufen), oder aber auch um euch gezielt etwas ab zu gewöhnen. Man könnte zum Beispiel sich das Ziel setzen, 30 Tage lang keine Kleidung zu kaufen, dafür am Ende der 30 Tage ein hochwertiges Kleidungsstück zu kaufen. Gewohnheit geändert, Geld gespart und den Konsum bewusster und besser eingesetzt – es gibt direkt viele Vorteile.

Wichtig ist immer, dass man sich selbst die etwas unbequemen und unschönen Sachen richtig schön gestaltet. Ein hübscher Habit Tracker macht mehr Spaß als ein oller Kalendereintrag und eine nette Belohnung am Ende verfestigt das positive Erlebnis. Ich halte nicht mehr viel davon, sich selbst unter Druck zu setzen und Dinge nur mit Disziplin zu bewältigen. Wem bringt das schon etwas? Wenn ich langfristig Ergebnisse erzielen möchte, ist es viel sinnvoller, auf positive Erlebnisse zu setzen.

Ich habe meinen Habit Tracker mit dem Mandala-Creator meiner Tochter gemacht, weil ich ihn dann hübscher finde. Bei der Gestaltung sind der Fantasie natürlich keine Grenzen gesetzt.

Was könnte man mit dem Habit Tracker schnell und leicht ändern?

  • Wasserflasche von zu Hause einpacken, statt eine Wegwerfflasche zu kaufen
  • Stofftaschentuch statt Tempo einstecken
  • Das Fahrrad zur Arbeit nehmen statt dem Auto
  • Einen Stoffbeutel/Obstnetze mitnehmen
  • Auf Fleisch verzichten
  • 30 Tage auf neue Kleider verzichten
  • Leuten von Zero Waste erzählen
  • Auf dem Markt/im Regionalmarkt eingekauft

Aber nicht nur bei uns selbst können wir etwas verändern. Man kann sich zum Ziel setzen, jeden Tag einem anderen Menschen von Müllvermeidung oder von Slow Fashion erzählen – noch immer wissen viele nichts darüber. Kennt ihr das afrikanische Sprichwort „Viele kleine Leute in vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern.“? Daran glaube ich ganz fest und deswegen lohnt es sich, Kleinigkeiten zu ändern. Ich starte mit mir selbst und mache mich zu dem, was ich sein möchte, ganz leicht mit dem Umstellen von Gewohnheiten. Der Habit Tracker kann der Start von etwas neuem und wunderbaren sein, probiert es einfach aus!

Eure Hannah

 

Hannah

Die Autorin

„Hi! Ich bin Hannah: 

Chaotin, Mama, Ehefrau, Selbstständige und überaus neugierig. Ich gehe seit einigen Jahren meinen Weg zum Zero Waste und möchte euch von meinen Erfahrungen erzählen.“

Autorin bei FREIRAUMREH

„Freundin, Herzensschwaegerin, Mama meiner wundervollen Nichten, Familie, Liebster Gluecksfall!“ Kim

Wusstest du, dass Hannah einen Etsy-Shop hat? Dort findest du passende Produkte zu Ihren Blogbeiträgen.

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