Zara will ab 2025 nur noch nachhaltig produzieren. Was bedeutet das für Fast Fashion?

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Zara will ab 2025 nur noch nachhaltig produzieren. Was bedeutet das für Fast Fashion?

Der spanische Modegigant Inditex gab diesen Sommer bekannt, ab 2025 unter allen seinen Labels, darunter Zara, Massimo Dutti und Bershka, zu 100 Prozent nachhaltige Mode produzieren zu wollen. Darüber hinaus sollen alle Immobilien wie Läden, Büros und Fabriken mit 80 Prozent erneuerbarer Energien versorgt werden. Damit gibt Zaras Konzernzentrale als erstes Fast-Fashion-Unternehmen ein solch umfassendes Versprechen bekannt. Wie ist das mit den konventionellen Zielen eines kommerziellen Unternehmens vereinbar? Und was bedeutet Nachhaltigkeit im Kontext von Fast Fashion?

 

Der Spitzenreiter schneller, modischer Produktion will umweltverträglich werden

Zara ist seit Jahrzehnten bekannt dafür, über eine perfekt ausgeklügelte Mode-Lieferkette zu verfügen, die beste der Branche. Basics und saisonübergreifende Styles, bei denen die Lieferzeit eine geringe Rolle spielt, werden von Zara in Fernost hergestellt und wochen- oder monatelang auf Containerschiffen zu den Absatzmärkten in Europa und den USA transportiert. Aktuelle Designs, die in kürzester Zeit vom Laufsteg ins Schaufenster müssen, werden hingegen teurer in der Nähe der Märkte hergestellt. Für die europäischen Märkte kommen die modeempfindlichen Teile beispielsweise aus Portugal, der Türkei und Spanien. Damit kostet Zara neue Mode mehr. Das macht das spanische Brand aber auch zum First Mover nach der Präsentation der aktuellsten Mode auf dem Catwalk. Trotzdem ist Zaras Fast Fashion für seine Kunden mehr als nur erschwinglich. Die durchschnittlich 500 neuen Styles pro Woche (!) gehören in die Kategorie der Kleidung, die eine Saison hält – sowohl in ihrer modischen Aktualität als auch in ihrer Qualität. Das will Zara ändern. Endlich! Zu der Strategie der Spanier gehören auch grünere Energie für deren Gebäude und die Reduktion des Müllaufkommens. Jeglicher Abfall aus den Büros und Läden soll ab 2023 wiederverwendbar oder recyclefähig sein. 

Weniger Fast Fashion ist der Weg zu Nachhaltigkeit

Einer der am stärksten hervorgehobenen Aspekte von Zaras Nachhaltigkeitsversprechen ist Circular Economy. Kunden sollen gebrauchte Kleidung abliefern können. Die wird dann entweder recyclet, wiederverwendet oder an wohltätige Zwecke weitergegeben. Ein edler Gedanke – doch wo bleibt dabei der Anreiz, nur die Kleidung zu kaufen, die man und frau wirklich brauchen? Wo ist der Beitrag zur Verlangsamung der sich allzu schnell drehenden Modewelt? Es fällt schwer sich vorzustellen, dass Zara sich diesen Gedankengang leisten kann. Millionen abgesetzter, nachhaltig produzierter Kleidungsstücke – ja. Wenige, sorgfältig ausgewählte, lange haltbare Kleidungsstücke pro Kleiderscharnk – lieber nicht. Damit würde Zara rein ökonomisch hinter seinen nicht ganz so nachhaltig eingestellten Wettbewerbern zurückbleiben. Zaras Stärke ist nicht modische Innovation in begrenzter Anzahl, sondern Massenproduktion zu günstigen Preisen. Aufgrund sinkender Absatzzahlen auf den hinteren Plätzen der marktbeherrschenden Unternehmen zu rangieren, ist normalerweise nicht das Bestreben ständig wachsender Milliarden-Konzerne.

 

Nachhaltigkeit, wie sie im Buche steht

Nachhaltigkeit ist definiert als ein solcher Umgang mit Ressourcen, bei dem nicht mehr verbraucht werden darf als nachwachsen kann. Neben den umweltmäßigen Aspekten, die Zara in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie bis 2025 beleuchtet, spielt auch der angemessene Umgang mit Menschen und deren Rechten eine Rolle. Die sozialen und umweltmäßigen Faktoren kosten bekanntlich Geld, was Nachhaltigkeit augenscheinlich oft nicht mit Wirtschaftlichkeit vereinbaren lässt. Daran jedenfalls scheitern viele große Unternehmen in ihren Nachhaltigkeitsstrategien. Denn diese gründlich umzusetzen, kostet viel Geld. Wie es um die Welt der großen Modebrands und ihrem Abdruck in der Welt bestellt ist, lässt sich im Fashion Transparency Index 2019 nachlesen.

Zaras Meldung ist ein Schritt in die richtige Richtung und hat an der Börse große Begeisterung ausgelöst. Die Intention, innerhalb von sechs Jahren nur noch nachhaltige Mode zu produzieren, verdient jeden Respekt. Ob das Unternehmen in dieser kurzen Zeit den Wandel vom Fast-Fashion-Vorreiter zu einem wahren Fair-Fashion-Hersteller schafft, wird Zara vor kritischen Augen beweisen müssen. Bis dahin kaufen wir lieber in unseren bewährten, nachhaltigen Lieblingsboutiquen ein.

Anja

Gast-Autorin

“Hej! Ich bin Anja..

..und wohne mit meiner kunterbunten Patchwork-Familie in Dänemark, bei den glücklichsten Menschen der Welt. Vielleicht liegt es daran, dass sie es sich ständig gemütlich machen und alles etwas entspannter sehen. Hier schreibe und übersetze ich deutsch und dänisch, versuche mich am eigenen Gemüsegarten und nachhaltiger Mode aus der eigenen Nähmaschine..“

Gast-Autorin bei FREIRAUMREH