Kuschelige Wintermode – die wichtigsten Facts zu nachhaltiger Wolle – Teil 1

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Kuschelig weich und natürlich wärmend: Wolle ist vor allem im Winter sehr beliebt. So finden wir im Handel zahlreiche Wollpullover und Winterstiefel mit Wollfutter. Wolle erscheint uns als natürlich nachwachsender Rohstoff besonders umweltfreundlich. Doch wie sieht es eigentlich mit den Produktionsbedingungen aus und wie erkennt man nachhaltige Wollprodukte im Handel? Im Folgenden findest Du die wichtigsten Facts zu nachhaltiger Wolle.

 

Material Wolle: Das sind die Unterschiede

Das Material Wolle wird von Schafen und Lämmern gewonnen. Es kommt hierbei auf die Körperregionen an. So gilt die Wolle am Rücken, an den Seiten und am Hals als besonders wertvoll. Geschoren wird in der Regel mindestens einmal jährlich.

 

Wolle ist nicht gleich Wolle:

  1. Lambswool bezeichnet die erste Schur der Lämmer
  2. Merinowolle ist besonders fein und stammt von Merinoschafen
  3. Reißwolle kann durch das Reißen von Halb- und Fertigprodukten gewonnen werden
  4. Reine Schurwolle meint keine recycelte Wolle und stammt von lebenden, gesunden Schafen
 

Beliebtes Material im Winter mit langer Tradition

Menschen produzieren bereits seit mehr als 10.000 Jahren Wollkleidung. Wohl kaum ein anderes Material erfreut sich so großer Beliebtheit. Früher galt es als äußerst kostbar. Deswegen konnten es sich nur wohlhabende Menschen leisten. Heutzutage wird Schafwolle aus anderen Ländern wie Australien importiert. Günstigere Produkte im Handel haben oft nur einen geringen Anteil an Wolle, denn auch heute gilt reine Schurwolle als wertiges Material.

Wie wird Wolle produziert?

Einmal pro Jahr im Frühling wird ein Schaf geschoren. Ein natürlicher Grund hierfür ist, dass das Tier sonst im Sommer schwitzen würde aufgrund des dicken Fells. Außerdem dient die Schur natürlich der Rohstoffgewinnung. Pro Schur kann dank einem Schaf ca. 3-5 Kg Wolle gewonnen werden. Natürlich ist diese Zahl abhängig von der Größe des Schafes als auch von der Rasse. Hochgezüchtete Schafrassen können im Schnitt sogar bis zu 10 kg Wolle liefern. Laut der International Wool Textile Organisation (IWTO) werden auf der Welt jährlich mehr als eine Million Kilogramm Wolle gewonnen. Leider können wir nicht bei jeder Schur von artgerechten Bedingungen sprechen.

 

Die Schattenseiten der Wollproduktion

Wer sich glückliche Schafe auf einem Bauernhof vorstellt, die sich darauf freuen vor dem Sommer ihr dickes Winterfell zu verlieren, hat sich bei den Produktionsbedingungen herkömmlicher Wolle leider getäuscht. Durch den hohen Produktionsdruck werden die Tiere oftmals überzüchtet und in großen Herden gehalten. Das Fell wird durch die Überzüchtung im Frühjahr so dick, dass die Scherer nur unter großem Zeitdruck die Schur der gesamten Herde schaffen. Die Bezahlung erfolgt nach Kilo an geschorener Wolle. Der Druck möglichst schnell zu sein, führt nicht selten zu Verletzungen der Tiere. Hinzu kommt, dass herkömmliche Wolle aus anderen Ländern importiert wird und die Schafe nicht selten langen Transportwegen ausgesetzt sind. Dadurch, dass die Herden sehr groß sind und sich viele Tiere auf engstem Raum befinden, gibt es oft einen Parasitenbefall. Um das zu verhindern, werden die Schafe durch Bäder mit Permethrin eingerieben, denn die Chemikalie tötet Larven und Maden. Leider gilt der Stoff als krebserregend und wird vor allem bei der Wolle aus Australien und Neuseeland immer wieder in großen Mengen festgestellt. Weitere Chemikalien kommen oft zum Einsatz, um die Eigenschaften des Materials Wolle künstlich zu optimieren.

TEIL 2 folgt nächste Woche!

Birte

Gast-Autorin

“Hi! Ich bin Birte..

..und wohne mit meiner Familie am Fuße der Alpen, ein Paradies für regionales Essen :). Nachhaltigkeit und Fair Fashion wird bei uns schon seit Jahren groß geschrieben. Wenn ich nicht gerade beim Wandern bin, findet Ihr mich auch online. Ich bin Geschäftsführerin von Mami first und biete in Zusammenarbeit mit Expertinnen Online Geburtsvorbereitung- und Rückbildungs-Kurse an.“

Gast-Autorin bei FREIRAUMREH